Was braucht mein Baby?

Aufmerksamkeit

Bitte nimm mich wahr und antworte mir.

Anregung / Pausen

Bitte zeige mir deine Welt, aber lass mich diese auch selbst entdecken.

Vorhersagbarkeit

Bitte sei verlässlich in deinen Reaktionen.

Co-Regulation

Bitte hilf mir, mich zu beruhigen, wenn ich es selbst nicht (mehr) schaffe.

Was bedeutet das im täglichen Umgang?

Ein Baby braucht von Anfang an das Gesicht eines Gegenübers, das als Spiegel dient und es freundlich und aufmerksam anblickt, sowie auf seine Kontaktversuche reagiert („Resonanz“). Das ist überlebenswichtig, da es sich nur durch diese Spiegelung selbst wahrnehmen kann. Natürlich bedeutet das nun nicht, dass Eltern ihr Baby daueraufmerksam anstarren müssen. 😉

Aber wenn die Eltern dieses Bedürfnis nach Kontakt, Spiegelung und Resonanz nicht, oder nur unzureichend, erfüllen, kommt das Baby in große Not und wird längerfristig bestimmte – und für seine emotionale Entwicklung mitunter sogar schädigende – Verhaltensmuster entwickeln, um mit der Situation zurecht zu kommen.

Es gibt hierzu sehr eindrucksvolle wissenschaftliche Untersuchungen (genannt „Still-Face-Paradigm¹“), die die kindlichen Reaktionen bei der Konfrontation mit einem regungslosen Gesicht der Bezugsperson (also fehlender Spiegelung und Resonanz) untersuchten.
Zuerst versuchten die Kleinen durch Laute, Lächeln, usw. auf sich aufmerksam zu machen und somit eine Reaktion bei der Bezugsperson auszulösen. Als dies nicht gelang wurden sie unruhig, versuchten es erneut, um letztendlich verzweifelt zu weinen. Nicht zu unterschätzen sind in diesem Zusammenhang auch Unterbrechungen des direkten Blickkontakts durch eine längere Beschäftigung mit dem Smartphone. Da hier die Aufmerksamkeit vom Kind weg, auf das Handy, gelenkt wird, fehlen die Reaktionen auf die kindlichen Kontaktversuche und es gerät in Stress. Hierzu habe ich an der PMU an einer entsprechenden Studie mitgewirkt (derzeit im Publikationsprozess), die genau diesen kindlichen Stress während der Smartphone-Nutzung des Gegenübers zeigen konnte. 

In diesem Video kann man das auch gut beobachten.
Mutter und Kind sind zuerst in einer sehr gut abgestimmten Interaktion und es zaubert einem (oder zumindest mir) ein Lächeln ins Gesicht, wenn man die beiden beobachtet. Als die Mutter anfängt stattdessen am Handy zu tippen, wirkt das Kind zuerst noch relativ ruhig, sucht Blickkontakt zur Kameraperson und versucht dann die Aufmerksamkeit der Mutter durch lächeln und vorsichtiges „anquatschen“ wieder zu erlangen. Als das nicht fruchtet, merkt man ihm die Unruhe und den Stress deutlich an, bis es zu Weinen beginnt.

Man erkennt hier sehr eindrücklich:
Ein Baby fängt – akute Schmerzzustände ausgenommen – nicht aus heiterem Himmel zum Weinen an. Es sendet vorher Signale um sein Bedürfnis kund zu tun. Wenn Eltern aufmerksam gegenüber diesen Signalen sind, können sie sich die eine oder andere erschöpfende „Schrei-Attacke“ ersparen, da das Baby erst gar nicht in diesen unrunden Zustand kommt. Dazu muss man aber diese Signale zuerst einmal richtig erkennen, was bei manchen Kindern gar nicht so einfach ist.

Und genau dabei kann ich dir helfen! 🙂

Quellen: 
1) Nagy, E., Pilling, K., Watt, R., Pal, A., & Orvos, H. (2017). Neonates’ responses to repeated exposure to a still face. PloS one12(8).

2) 
Ehrlich, K. B. (2019). Attachment and psychoneuroimmunology. Current opinion in psychology25, 96-100.

Mortazavizadeh, Z., & Forstmeier, S. (2018). The role of emotion regulation in the association of adult attachment and mental health: A systematic review. Archives of Psychology2(9).

Barazzone, N., Santos, I., McGowan, J., & Donaghay‐Spire, E. (2019). The links between adult attachment and post‐traumatic stress: A systematic review. Psychology and Psychotherapy: Theory, Research and Practice92(1), 131-147.

Doyle, C., & Cicchetti, D. (2017). From the Cradle to the Grave: The Effect of Adverse Caregiving Environments on Attachment and Relationships Throughout the Lifespan. Clinical psychology: a publication of the Division of Clinical Psychology of the American Psychological Association24(2), 203-217.

3) Thomas, J. C., Letourneau, N., Campbell, T. S., Tomfohr-Madsen, L., & Giesbrecht, G. F. (2017). Developmental origins of infant emotion regulation: Mediation by temperamental negativity and moderation by maternal sensitivity. Developmental psychology53(4), 611.